Gedichte
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Die Gedichte auf dieser Seite:
01 Appell an
die (mit)menschliche Vernunft
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In der Anthologie - FOUQUÉ LITERATURVERLAG Ffm., ISBN 3-8267-5264-3, Preis. 22,00 € - findet ihr von mir folgende Gedichte: Ich's aller Länder Schreie Apell an die (mit)menschliche
Vernunft Oktober Der Mensch |
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Appell an die (mit)menschliche Vernunft
Es ist wieder soweit:
Es kommt die kalte Jahreszeit!
In Vergessenheit gerät das Schwitzen,
die Kälte dringt durch alle Ritzen.
Besonders, wenn man im Paterre wohnt,
bleibt man davon nicht verschont.
Zur Haustür 'rein, zur Hoftür raus
und umgekehrt, so fährt der Wind durch's Haus.
Der brave Kachelofen strengt sich an,
ob er dagegen nicht was machen kann.
Er lodert, prasselt und frißt Kohle,
daß niemand sich den Schnupfen hole.
Die Kälte aber ist gemein:
Sie kommt trotzdem 'rein,
wenn man sie nicht in Schranken weist,
auf leisen Sohlen wie ein Geist.
Huhu, huhu, huhu....
Drum Leute: Macht die Türen zu!!!
In den Hausflur gehängt.
IR, 26. 09. 97
Zu dir unter die warme Bettdecke
kriechen
möchte ich, Leser,
ganz nah an dich heran,
deine Körperdüfte atmen
und kleine Grunzgeräusche hören.
Mit dir die Ruhe teilen,
die weiche Entspannung
deines Fleisches,
sanft und sachte bei dir sein
dein vages Beben
miterleben.
Zu dir in die geheimsten
Tiefen möchte ich
schlüpfen, Leser,
in die Weiten deiner Phantasie,
und unversehens finden wir uns
vereint in deinen Träumen.
IR 13.1.'97
Du möchtest nicht, daß man dich versteht. Zischend drückst du die Laute heraus, rührst kaum die Zunge, die Lippen bleiben unbewegt. Mit einem Wort: Du nuschelst.
Du möchtest nicht, daß man dich versteht. Kommt die Rede auf Dinge, die dich bewegen, so hebst du die Schultern, wendest den Rücken uns zu. Mit einem Wort: Du fliehst.
Du möchtest nicht,
daß man dich versteht.
Fremde Ziele gab man dir, und du verfolgst sie nun,
sind sie doch heer und gut.
Sie sind die schlechtesten, da es nicht deine sind.
Mit einem Wort: Du strebst.
Du möchtest nicht, daß man dich versteht. Fürchtest du doch, es scheint eh nur verwerflich, verkommen und roh, was dir das Liebste ist. Mit einem Wort: Du blutest.
Nichts möchtest
du mehr, als daß man dich versteht.
Das Morgen interessiert dich nicht, das Heute kannst du nicht genießen.
Die Menschen geh'n dir am Arsch vorbei, und selbst bist du dir nicht genug.
Wohltäter nicht noch Pionier, willst du nicht schmarotzen, noch auf Kosten
andrer leben.
Weder borniert noch angepaßt, willst du einfach haben, was du brauchst.
Viele gibt es nicht,
die sind wie du.
Und davon noch die meisten trau'n sich nicht,
der Druck der Masse ist zu stark.
Unruhig nach dem Leben suchendes Erstarren in der Lethargie der Langeweile,
So geh'n sie sich und allen/allem anderen verloren.
Nichts möchtest
du mehr, als daß man dich versteht.
Moral ist kein Begriff, der auf dich trifft.
Als Verkörperung der ganz anderen Möglichkeit, die Menschen erst
zu Menschen macht,
gibst du den Schwachen, nimmst den Starken ihre Arroganz. Das als Einziger
zu wissen, ist niemandem genug.
IR, 19.07.1989
Und dann bist es doch Du
der dich zwang
Und wenn du den anderen Weg
gehst
gehst du auch den deinen.
Iris Rudolph
Im Morgengrauen füllte
verzweifelte Trauer den Raum,
machte mich beben.
Unwiederbringlich
Liebstes verloren -
Wie?
Wie?
Wie
so leben?
IR 1.8. '98
Immer wieder sucht meine
wehe Seele
sich im Innern zu verkriechen.
Oder im Schrei sich Luft zu machen.
Schmerzlindernde Maßnahmen in einer Welt,
in der Ich einzelne nichts zähle.
Alles was ich habe, mache,
stelle ich in den Dienst
die Welt so zu verändern,
daß sich genau das ändert,
nicht Profit, sondern Ich das Entscheidende ist.
Los, Ich's aller Länder,
vereinigt euch zu diesem Ziel!
Was haben wir anderes zu verlieren
als den Schmerz der Ohnmacht?
Der Weg ist unklar, grau
und nebulös
auf dem das zu erreichen wäre.
Und warum arbeiten wir nicht dran
und machen uns zum Subjekt der Geschichten?!
IR 9.5. '98
Lieber Christoph...
Ich möchte dir mein Leben schenken. Es kann doch sein, du nimmst es mal
zur Hand und freust dich einfach an der Farbenpracht, der Vielfalt und der
Formen.
Kann's nicht auch sein, daß sich dein Blick verliert in seinen Tiefen
und Gedanken sich zu ungeahnten Höhen schwingen?
Auch möglich ist's, das Grauen packt dich an der Kehle, du nimmst mein
Leben in die Hand und schlägst es damit tot.
Oder du gibst ihm, außer dir vor Zorn, den Tritt, der es unter' m Schrank
in staubige Vergessenheit geraten läßt.
In drückender Einsamkeit vielleicht sprichst du zu ihm stumm jene Worte,
die, zu feige, eines Menschen Ohr zu treffen, den Kopf dir langsam wieder
klären.
Auch denkbar, daß es still an deiner Wand hängst, ohne hinzugucken
weißt du, es ist da.
Ein Geschenk, für vieles, einfach alles zu verwenden, das hängt
nur davon ab, was du gerade mit ihm machen willst.
Sogar verändern kannst du's, wenn's dir nicht gefällt und du die
Mühe und die Kraft aufbringst, an ihm herumzuformen.
Natürlich kannst du's auch vernichten. Es in den Ofen werfen oder auf
den Schrott.
Dann ist es weg. Mach, was du willst damit.
Solange es vorhanden ist, werd' ich es führen.
IR, 22. 02. 1987
Schütz dich vor Kälte
und vor Wind
Zieh'n Liebestöter an, mein Kind
Zucker frißt an deinem Zahn
Dagegen hilft der Pastenwahn
Cola ist ein giftiger Trunk
Trink sie nicht, sonst gibt es Stunk
Mehrmals täglich sollst du essen
Nicht zuviel, doch gut bemessen
Obst und Gemüse, knackig und frisch
Gehört auf den gesunden Tisch
Einen Joghurt mehrmals täglich
Ist für den Magen gut verträglich
Rauchen schadet sehr der Lunge
Laß es, und du bleibst in Schwunge
Vitamine, Hefe, Eisen
Helfen dir auf weiten Reisen
Trink nicht zuviel und nicht zuwenig
Nur wer gesund ist, der ist König
Alkohol, Tabletten, Drogen
Sind deiner Leber nicht gewogen
Frische Luft und viel Bewegung
Das Vermeiden von Erregung
Ausreichend Schlaf- und Urlaubsphasen
Sexualität in Maßen
Genieße jede einzelne Stund
Von solchem Leben kerngesund
Denn höre, das tut wirklich not
Weil, am Ende, bist du tot.
IR 11.09.1997
Vorübergehend
hinterlassen sie dennoch ihre Spuren.
Eine Nacht nur sind doch hunderte Sekunden Berührung deiner Haut,
Geschmack deiner Lippen die du gabst, Teil deiner Zärtlichkeit.
Geruch, der nur dir gehört teiltest du
den Anblick zusammengekniffner Augen.
So zogst du eine Spur,
die dir vielleicht durch meiner Hände Arbeit Unsterblichkeit verleiht.
IR, 01.08.1989
Dies ist die Zeit der schreienden
Herzen,
der Augen und Münder,
bettelnd ausgestreckter Hände,
verrottender Körper.
Sie schreien um Wasser und
Brot!
Gebt Arbeit! Gebt Geld!
Gebt mir eine Aufgabe, sinnvolles Leben!
Gebt mir meine Menschlichkeit!
Gellend das Trommelfell brechend
bohrt
sich ihr Schrei'n in mein Hirn.
Was wollt ihr von mir?
Ich bin beschäftigt mit Nehmen!
IR '88
Wie eine schwarze Rose bist
du, finde ich.
Schnell kaufte ich nochmal eine, um zu gucken, ob's auch wirklich stimmt.
Da steht sie nun vor mir in einer schlanken Vase aus zartem Glas,
die dennoch unvergänglicher erscheint als du.
Wie eine schwarze Rose bist
du, finde ich,
die ihre schöne Existenz der Mühe und der Einfallskraft verdankt.
Geschaffen nur, und nur und nur das Auge angenehmst zu überraschen,
und der Natur Glanzleistungen abzuringen für u.a. auch mich.
Wie eine schwarze Rose bist
du, finde ich.
Ungeglaubt Schönes in todtrauriger Schwärze,
das Dornenkleidchen kein Schutz vor tiefster Verwundung.
Macht es dich stolz, tut es dir weh, erfüllt es dich vielleicht,
nicht tatsächlich schwarz zu sein, nur dunkel-, dunkel-, dunkelrot?
IR 11.09.1997
Als Tochter des.Mondes trage
ich seine Züge:
Unendlich melancholische Sehnsucht
die Welt zu erhellen
und manchmal nur fällt fahler Schein durch's Dunkel.
Als Tochter des Mondes schwarz
und unfaßbar:
Irren durch undurchdringliche Wälder
das Licht zu suchen, das mich erwärmt
umgeben von drohendem Dickicht und dorniger Kälte
Als Tochter des Mondes banne
ich
ihm gleich:
die Liebenden in magisch romantischer Verzückung.
Zittrigstes aus tiefem Innern
geben sie hin einer
die vor Hingabe erbleicht.
Die Tochter des Mondes bereitet
auch Feste:
Berauschende Üppigkeit inmitten des Kargen
Säfte der Leiber fluten
verzehrend die Hirne, die Tiefen entblößend.
In brodelndem Schreien quillt, formt sich
Das Leben.
Die Tochter des Mondes trägt
nur seine Züge
sie ist ihm nicht gleich:
Als Mensch unter Menschen sprengt sie
die fesselnde Kraft der Naturgesetze
schaut sie - schaut sich
und auf der Flamme des Lebens, dem Feuer der Liebe
kocht sie den Zaubertrank der Freiheit.
IR 16.1.'87