Gedichte vorläufiger Schluss
01. Auch Herbstdepressionen
sind klassengesellschaftsgeschuldet!
02. Wir trauern um Zita
(Forum Caleidoscope)
03. Fußball
04.
Jahr 2007!
(ausgewählt für die Anthologie "Ausgewählte
Werke X" der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte München)
05. Uns Wetter
05. Grau
06. Interessen
07. 2008
08. Rauch
09.
Zum Leserbrief des Reinhold Schramm
(Berliner Anstoß Februar 2008)
10. Krokusse
11. Die Roten
12. Rauchverbot
13. Rote Fahnen
14. Mölln
15. Tatendrang
Auch Herbstdepressionen sind klassengesellschaftsgeschuldet!
Der Winter kommt auch dieses
Jahr bestimmt,
selbst wenn die Blätter größten Teils und grün noch an
den Bäumen sind.
Der Himmel kleidet sich in ein bescheidenes Grau
und: "Au!"
schrei' n schon die ersten wachen Seelen.
Für Melancholie ist Tags
kaum Zeit.
Wir rackern - Heuschrecken machen sich breit
und fressen unserer Arbeit Lohn.
Vergessen war schon
fast, dass die da oben alles stehlen.
Nun auch vielleicht die Autobahnen.
Artgenossen! Wie wär's, wenn wir den Sozialismus planen?!
Dann schreckt der Winter niemanden mehr.
Gemeinsam setzen wir uns zur Wehr
und pflegen mit melancholischen Liedern nach getan' nem Werk im Warmen zusammen
gemütlich unsere Seelen.
Berlin, 17. 10. 2005, Iris Rudolph
Wir trauern um Zita (Forum Caleidoscope)
Dich kannte ich nicht, Zita,
und doch warst du da
wie so viele, die man nicht kennt.
Die Zeit, für den einen schneller als für den anderen, rennt
uns davon.
Wer weiß schon,
wann seine Uhr abgelaufen ist.
Und jeder hofft, dass man ihn dann nicht vergisst.
Andenken wahren
ist menschlich Gebaren
von allem Anfang an.
Gut tun wir daran.
Berlin, 19. 02. 2005, Iris Rudolph
Bullen begleiten aus sicheren
Wannen
Fußballfans die Straße hinan. Die trinken aus Kannen
den Gerstensaft am Mittag schon
und stellen die leeren Flaschen am Fensterbrett ab, hinter dem ich wohn.
Hei, das gibt wieder Flaschenpfand! Und nicht zu knapp.
So kriegt vom Volkssport jeder etwas ab...
Berlin, 22.10.2006, Iris Rudolph
Jahr 2007! (ausgewählt für die Anthologie "Ausgewählte Werke X" der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte München)
Gib mir Anlass, dich zu lieben.
Ich wünsche mir das Wetter gut,
genügend Knete wär der Sud
in dem ich prima schreiben* kann.
Dann noch Gesundheit, Liebe, Glück,
so wäre alles dran
an dir du neues Stück.
Mal sehen.
*hier kann alternativ Musik
machen, arbeiten, ... eingesetzt werden
Berlin, 31.12.2006, Iris Rudolph
Die Sonne scheint zu früh
in diesem Jahr verschwenderisch auf uns herab.
Was geht hier ab?
Kastanien entzünden ihre Kerzen und auch der Flieder blüht.
Sag, was geschieht?
Vor Kurzem hüllte sich der Himmel noch in Grau,
nun ist er blau
und will nicht wieder aufhörn, blau zu sein.
Findst du das fein?
Von Alters her hat Mensch im Blut:
Die Sonnenwärme tut uns gut !
Zum Umdenken zu ängstlich
schadet er sich gründlich..
Er schadet sich? Das ist nur Schein.
Der Schädling muss bekämpfet sein!
Iris Rudolph,22. 04. 2007
Der Himmel hüllt sich
trist in Grau.
Er spiegelt damit ganz genau
was vorgeht in den Seelen,
die sich in Armut quälen.
Was willst du denn? Bist doch
am Leben,
kannst andren deine Liebe geben,
vom vollen Mond dir Freude schöpfen
manchmal ein kleines Bierchen köpfen...
Man braucht dich nicht. Ei
sei doch froh!
Das Leben ist halt grad mal so.
Iris Rudolph, Berlin, 25. 07. 2007
Interessen hab ich viele:
So fröne ich gern dem Spiele.
Beim Pokern, BlackJack, Fußball und Roullette
riskiere ich schon mal ein Wett.
Der Liebe bin ich ganz verfallen:
Sie ist das Wichtigste von allem!
Auch bin ich Weltverbesserin:
Nach Sozialismus/Kommunismus steht mir ganz der Sinn!
Also voll die rote Socke.
Ist das nicht knorcke?
Iris Rudolph, Berlin, 29. 07. 2007
Das vergangne
war
wie ich's erwartet
nur in recht ungewöhnlichen Gewand.
Nun naht ein neues Jahr:
2008.
Gib Acht,
dass es die Menschheit schafft
sich zu bewahren!
Noch nie war die Gefahr
größer, die die Herrschaft schafft,
die Gegenwehr so unscheinbar...
Kraft und Stärke,
Mut und Kampfeswillen.
Das wünsche
ich mir im Stillen
für 2008
damit es endlich global heftig und befreiend
kracht!
Iris Rudolph, Berlin 29. 12. 2007
Rauche nicht, das macht deine
Lunge kaputt!
Der Tabakrauch füllt sie mit
Schutt.
An der Peripherie wird die Durchblutung
schwach
und deine Haut wird runzlig. Ach,
am Ende stirbst du noch daran.
Die Lunge der Erde wird abgebrannt
und abgeholzt. Es ist eine Schand.
Dem Regenwald nur keine Gnade!
Sage:
Irgendwas stimmt hier doch nicht, Mann...
Iris Rudolph,
Berlin 31. 01. 2008
Zum
Leserbrief des Reinhold Schramm
(Berliner Anstoß Februar 2008)
Er beginnt
mit den Worten:
"Die Volksrepublik China ist ein kapitalistischer Staat."
Weil reaktionäre Stiftungen sich in Kohorten
dort tummeln und Monopolkapital Produktionsmöglichkeiten dort hat.
O.k., das kann einen alles stören.
Doch
wann fragen wir wieder danach, wem die entscheidenden Produktionsmittel gehören?
Iris Rudolph, Berlin 03. 02. 2008
Im Hinterhof
die Krokusse blühn.
Oh wie
schön!
Doch nur
auf den ersten Blick,
dann kommt
der Schreck:
Es ist
erst Anfang Februar,
also viel
zu früh im Jahr.
Was hat
das zu bedeuten?
Nachtigall
ick hör dir läuten:
Wenn's
hier nicht bald nach unseren Bedürfnissen geht
(statt
nach Profit), ist's für vieles schnell zu spät.
Iris Rudolph, Berlin 10. 02. 2008
Da denken viele
noch sie seien verboten,
da stehen sie schon an allen Ecken rum, die Roten
und die grünen Männchen aus der DDR.
Und regeln den Verkehr...
Iris Rudolph, Berlin 19. 02. 2008
Man sieht den Säufernachbarn
nun so klar!
Ob er schon immer so unglaublich
hässlich war?
Den Dreck aus längst vergessnen Ecken
nimmt nun die Wirtin wahr mit Schrecken.
Das Rauchverbot ändert die Kultur.
Wohin führt das nur?
Iris Rudolph, Berlin
19. 03. 2008
Berlin ein einziges rotes
Fahnenmeer
lässt heiß das Blut mir durch die Adern rinnen.
Doch es ist nur:
Die Türken feiern ihr Gewinnen.
Iris Rudolph, Mölln, 15. 06. 2000
Mölln
Sehr laut bewegt der Wind die Föhren
Für Großstadttrommelfelle ungewohnt zu hören
Ruhe wird so noch unterstrichen
Die Anspannung der Nerven ist gewichen
Ein letztes Mal lausch ich dem Wildschweinschrei
Die Reha ist vorbei.
Iris Rudolph,
Mölln, 15. 06. 2008
Tatendrang
Ein bunter Drache fliegt zum Mond,
der riesengroß am Himmel thront -
er ist gerade aufgegangen.
Der Weg ist weit. Das schaff ich doch
Denkt Drache noch -
Da hat er sich mit seiner langen Schnur im kahlen Baum verfangen.
Iris Rudolph, Berlin, 12. 11. 2008